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„Ein Hund lebt nicht von Fleisch allein“

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Artikel von
Expertenteam

Barfen

Das Thema Barfen teilt Hundehalter in verschiedene Lager - was sagt ein Futtermittelhersteller dazu

„Barf“ steht für : „Bone and Raw Food“ (Knochen und rohes Futter) oder „biologically appropriate raw food“ (biologisch artgerechte Rohfütterung). Mit Barfen ist also vor allem die Ernährung mit Fleisch und Knochen von verschiedenen Tieren, ergänzt durch Öle, Gemüse, Obst, Nüsse, Algen, Kräutern und/oder Getreide gemeint. Alle Zutaten (bis auf Getreide) werden roh, also ungekocht verwendet.

Natürlich man kann einen Hund artgerecht und ausgewogen mit Frischfleisch-Futterrationen ernähren, wenn man sich damit intensiv auseinander setzt und die Ration kompetent zusammengestellt ist. Dabei ist es unerheblich, ob die Rohmaterialien roh oder erhitzt verfüttert werden, solange sichergestellt! ist, dass die Verdaulichkeit und die Hygiene nicht darunter leiden. Damit ist die ganz konkrete Gefahr von übertragbaren Infektionskrankheiten gemeint.

Die Vorteile beim Barfen sind eine  Begrenzung auf wenige Rohmaterialien (v.a. Eiweißquellen) für Hunde mit Neigung zu Allergien oder  Intoleranz gegenüber bestimmten Nährstoffen.

Sind die Rationen beim Barfen ausgewogen?

Leider nicht immer - das zeigen Rationen, die durch Fachleute überprüft wurden. Selbst die geeigneten Mengen für eine Ernährung nach den Kriterien des "barfen" zu errechnen, also wie viel Kalzium, Kupfer, Eisen, Phosphor etc. Ihr Hund benötigt, ist nicht ganz einfach.  Aber es gibt Hilfe von Fachleuten, die computergestützte Rationsberechnungen erstellen können, damit man auf der sicheren Seite ist.

Probleme beim Barfen bestehen vor allem im Bereich von zu wenig Kalzium und zu viel Phosphor (16 von 200 Proben, die in ein Labor* eingesandt wurden, wiesen eine Hypokalzämie auf, also zu wenig Kalzium;  19 von Hundert eine Hyperphosphatämie, also eine Überversorgung mit Phosphor) Auch Vitamin D3 und A werden im nichtoptimalen Bereich gefunden.

Durch eine Analyse des Blutprofils können mögliche Über- oder Unterversorgungen identifiziert werden, die dann in der Ration korrigiert werden sollten.

*Quelle: Laboklin news März 2013

Fachleute bemerkten bei einer Ernährung nach den Prinzipien des Barfens zudem zusätzliche Defizite bei verschiedenen Nährstoffen (v.a. Kupfer, Zink, Jod, Ballaststoffen und verschiedenen Fetten), sofern den Futterrationen keine Nahrungsergänzung (z.B. Eierschalen, Knochen, Seealgenmehl oder Leber)  zugesetzt wurden.

Quelle: Albrecht fachpraxis Nr. 55 / 2009

Deshalb empfehlen die meisten Fachleute eine individuelle computergestützte Rationsberechnung durch Fachtierärzte durchführen zu lassen, vor allem bei Welpen, da hier eine Unterversorgung besonders schwere Folgen hat.

Mögliche Gefahren des Barfens durch Salmonellose und andere Erkrankungen.

Salmonellose ist ein reales Risiko, wenn Fleisch/Eier nicht genügend erhitzt werden, allerdings eher für Menschen als für Hunde problematisch.

Hunde und Katzen erkranken eher seltener an Salmonellose,  die Gefahr besteht viel eher für Kinder, Senioren und Menschen mit einem eingeschränkten Immunsystem.

Laut einer Studie der kanadischen Universität in Guelph hatte 80% des rohen Fleisches der getesteten 10 Hunde Salmonellen. Und keiner der Hunde ist erkrankt, aber drei haben Salmonellen ausgeschieden.

Quelle: Albrecht Fachpraxis Nr. 55 / 2009

Auch andere Bakterien, Einzeller, Würmer und Viren werden beim Barfen durch den Verzicht auf Erhitzung nicht mehr abgetötet und stellen im Unterschied zu hygienisch einwandfreiem, erhitzten Futter, ein Restrisiko für  Mensch und Hund dar.

Mit dem Botulinumtoxin ist wirklich nicht zu spaßen. Experten raten aus vielerlei Gründen immer wieder dazu, Essen zu erhitzen- beim Menschen wie beim Hund.

Knochenfütterung beinhaltet das Risiko von Zahnfrakturen, Verstopfung, schmerzhaftem Knochenkot und Verletzungen des Magen-Darmkanals.

Quelle: Albrecht fachpraxis Nr. 55 / 2009

Ärgerlicherweise bleiben viele Zahnerkrankungen unerkannt. Nur 4% aller Tiere mit Zahnerkrankungen werden mit dem Vorbericht einer Zahnerkrankung vorgestellt.

Quelle: AAHA Finance&Productivity Pulsepoint Survey 1998

Warum das so ist? Unsere Hunde fressen weiter, trotz großer Zahnschmerzen, denn sie haben einen sehr ausgeprägten Überlebenswillen. Hundehalter bemerken Zahnprobleme bei ihrem Hund oft gar nicht, sondern klagen höchstens über dessen Maulgeruch.

Hühnerknochen sind weit weniger bedenklich. Hühner zur Fleischgewinnung sind in der Regel bei der Schlachtung so jung, dass die Knochen noch vollkommen weich und elastisch sind. Selbst in gekochtem Zustand splittern sie nur selten.

Verantwortungsvolle Hundehalter und Tierärzte müssen eine regelmäßige Kontrolle der Maulhöhle viel öfter durchführen.

Befürworter des Barfens agumentieren, dass der, der barft, wenigstens weiß, was drin ist.

Zumindest grundsätzlich ist klar, welcher Typ Proteine, Fette und Kohlenhydrate.

Wie viele dieser Nährstoffe oder unerwünschte Substanzen darin enthalten sind, aber eben nicht.

Da Lebensmittel und Futtermittel streng kontrolliert werden, kann davon ausgegangen werden, dass unerwünschte Stoffe auch beim Barfen akzeptable Höchstmengen nicht überschreiten, eine letztendliche Sicherheit ergibt sich dann durch Prüfung auf

  • Ausgewogenheit der Nährstoffe : Rationsberechnung der verwendeten Grundlebensmittel durch den Tierarzt oder die Institute für Tierernährung der tierärztlichen Hochschulen
  • Verdaulichkeit und damit zur Verfügung stehen der Nährstoffe und Testen auf mögliche unerwünschte Substanzen für den Hund: durch die Blutuntersuchung

               


3 Kommentare

default Am 17.07.2017 antwortete Cornelia:

test

Am 17.07.2017 kommentierte Carina:

„Test“

default Am 28.10.2015 antwortete Expertenteam:

Hallo Christel,

die einfache Frage zuerst, ja - bis auf das Getreide wird das Futter ungekocht verfüttert. Wenn Getreide nicht erhitzt wird, dann sind die Kohlenhydrate (vor allem die Stärke) für den Hund nicht verdaulich. Hunde produzieren nämlich keine Amylase - ein stärkespaltendes Enzym.

Wenn man die Ration berechnen lässt, dann gehen viele verschiedenen Variationen. Reines Barfen, halb Barfen - halb Fertigfutter. Oder jede andere Kombination.

Dazu ist die Erstellung eines genauen Planes aber unverzichtbar. Denn Fertignahrung ist naturgemäß ein Alleinnahrungsmittel (auch als solches deklariert). Das heißt, dass die Fütterungsempfehlung (wieviel Gramm für wieviel Kilogramm Hund) für die alleinige Verfütterung berechnet ist, weil sie damit sicherstellt, dass alle Nährstoffe im richtigen Verhältnis zueinander, in der richtigen Menge für diesen Hund und für die zugeführte Energie berechnet ist. Es sind keine weiteren Zusätze erforderlich - man kann mal was hinzufügen, sollte aber bei dauerhaften Zufütterungen wissen, welche Auswirkung das für die Ration hat.

Ein Beispiel: Leber. Es enthält viel des fettlöslichen und damit speicherbaren Vitamin A und Vitamin D. Hier sind Obergrenzen auf Dauer schnell mal erreicht- auch in einer Kombinationsfütterung.

Lange Rede: das Verfüttern von Trockenfutter ist kein genereller Garant für Ausgewogenheit, dazu muss man sich die gebarften Bestandteile näher anschauen.

Am 28.10.2015 kommentierte Christel LG.:

„Ich habe noch nicht gebarft und habe einige Fragen:
kann man auch teilbarfen z.B. morgens Trockenfutter und abends barfen?
Dann sind doch die Nährstoffe und Vitamine im Trockenfutter drin. Reicht das aus, oder sollte zusätzlich noch Barfer Plus übers Futter gegeben werden?
Eine letzte Frage: wird beim barfen nur roh gefüttert, oder kann das Futter auch in wenig Wasser gekocht/ gedämpft werden?“

default Am 29.05.2015 antwortete Expertenteam:

Hallo Julia,

es ist korrekt, dass auch ein Hund nicht jeden Tag genau 100% von allen Nährstoffen benötigt, aber wenn auch das Abwechseln bei den Zutaten die erforderlichen Nährstoffe nicht liefern kann, dann kommt es über längere Sicht doch zu möglichen Mangelerscheiunungen.

Hier möchten wir aus einem Artikel von Frau Dr. Dillitzer (Fachtierärztin für Tierernährung) zu selbstzubereiteten Rationen zitieren:

"viele verschiedene Zutaten machen selbst zubereitete Rationen abwechselungsreich und vielseitig, aber noch nicht unbedingt bedarfsgerecht. Bei einer gekochten Ration, die sich aus Fleisch, Fisch, weich gekochten Kohlenhydraten, Milchprodukten, verschiedenen Obst- und Gemüsesorten und 2 TL Öl zsammensetzt, sind z.B. die Mengenelemente (Kalzium, Magnesium) , Spurenelemente (Eisen, Kupfer, Zink, Mangan und Jod) und Vitamine nicht ausreichend enthalten. Das gleiche gilft für eine BARF-Ration aus Fleisch, Fisch, Leber, Knochen, Milchprodukten, Eiern, Nüssen, Obst, Gemüse, Öl und einer Prise Seealgenmehl. Zwar soll gerade bei BARF das Futter im Napf die natürliche Beute imitieren, diese wird in freier Wildbahn jedoch nahezu komplett verspeist, wobei Wolf und Wildkatze) auch wichtige Nährstoffe aus Innereien, Fell, Federn oder dem Blut beziehen. Quelle: team.konkret, S1, 2014.

Wieviel Rationen sind möglicherweise nicht balanciert? In einer Studie von Frau Dr. Dillitzer stellte sie fest, dass 60% der untersuchten, von Tierhaltern zusammengestellten Rationen "grob fehlerhaft" waren.

Am 28.05.2015 kommentierte Julia:

„Ich finde den Artikel erstaunlich fachlich.
Ein paar Anmerkungen habe ich allerdings:

Es stimmt nicht dass beim Barfen ausschließlich das Getreide erhitzt wird und alles andere nicht.
Oft werden z.B. Kohlgemüse (Blumenkohl etc.) oder Bohnen gegeben. Gängiges deutsches Gemüse. Diese werden natürlich erhitzt.

Zu den Hühnerknochen.
Viele vermeiden es Hühnerknochen zu geben da diese Verhältnissmäßig klein sind und so schnell mal am Stück geschluckt werden können.
Knochen vom Kalb, z.B. Brustwirbel sind deutlich besser geeignet da sie größer sind und altersbedingt auch noch sehr weich.

Zu den unausgeglichenen Rationen.
Leider steht nicht genau drin wie viele Rationen von einem Hundehalter analysiert wurden. Viele Barfer, mich eingeschlossen, geben z.B. nur zweimal die Woche Knochen und verteilen die Innereien auch auf einzelne Tage, da es schlicht und einfach nicht notwendig ist jeden Tag 100% der Nährstoffe aufzunehmen. Wir selbst machen es ja auch nicht.
Das hebt für mich auch wieder das Argument auf das ich nicht wüsste wie viele Nährstoffe im Fleisch sind.

Genau das gleiche mit der Belastung des Fleisches.
Die Bezugsquelle ist entscheident.


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