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Leckerlis - Ja oder Nein /
Leckerlis - Ja oder Nein

„Sitz, Platz, Aus – das kleine Einmaleins“

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Artikel von
Expertenteam

Leckerlis - Ja oder Nein

Leckerlis – heiß diskutiert in der Hundeerziehung

Geht es auch ohne „Kekse“? Wann gebe ich ein Leckerli und wann gebe ich keins. Macht mein Hund dann nur noch etwas für das Leckerli? Bei der Belohnung in der Hundeerziehung spalten sich die Lager.

Erziehung oder Manipulation,  Leckerli als positiver Verstärker, oder reicht es, dass Herrchen und Frauchen konsequent auf Durchführen des Hörzeichens bestehen, reicht Lob als Motivation?

 Das sagen Hundetrainer:

„Verhalten muss sich immer lohnen, sonst wird es gelöscht. Das ist ein unumstößliches Lerngesetz. Die Alternative ist Zwang, also der Hund als Sklave.“ Vivian Theby

„Die Erziehung von Hunden erfordert vom Hundehalter die Fähigkeit, seinem Vierbeiner in solch einer Situation den Ernst der Lage vermitteln zu können. Er muss am Ende durchsetzen, dass sein Hund sich hinlegt, auch wenn es etwas Interessanteres gibt als Leckerli.“ Michael Grewe.

In jedem Fall konditioniere ich als Halter meinen Hund, sobald  ich reagiere (positiv über Belohnung, negativ über Strafen).  Soziale Interaktion ist aber für das Rudeltier Hund nicht nur normal, sondern sogar lebensnotwendig.

Wer hat denn jetzt nun Recht?

Das is eher die Frage, welcher Typ der Hundehalter ist. Das ist prinzipiell auch unproblematisch, denn Hunde können sich enorm an ihre Herrchen und Frauchen anpassen, solange keine extremen Verhaltensweisen auftreten. Unter Extremen verstehen wir massive Rangordnungsprobleme (der Hund hinterfragt den Führungsanspruch permanent oder sieht sich bereits in der ranghöchsten Rolle, die Ressourcen für sich beanspruchen darf) oder ängstliche, gestresste Hunde, die kein Gefühl von Sicherheit entwickeln können (z.B. weil Zuwendung willkürlich und Strafen unangemessen sind).

Fressen ist für Hunde eine der tollsten Sachen der Welt. Eindeutig eine Belohnung für Verhalten und damit ein positiver Verstärker für den Opportunisten Hund. Richtig eingesetzte Leckerlis sind besonders gut geeignet für Trainings, also das Erlernen von Sicht- oder Hörzeichen  und dem Wiederaufbau von Kommunikation und Nähe (vor allem für sehr unabhängige Hunde, die ihre Halter draußen wenig beachten).

Was sind „richtig eingesetzte Leckerlis“?

  • zur rechten Zeit (innerhalb von 2 Sekunden der Aktion folgend)
  • für die richtigen Aktivität (ganz wichtig beim stufenweisen Aufbau, z.B. bei komplizierteren Lernaufgaben)
  • nicht immer und für alles geben, denn dann kann es sein, dass ein Hund nur noch etwas für Leckerlis „macht“.

" Labrador im Platz wird über Futter positiv verstärkt. Training neuer Hörzeichen funktionieren mit Leckerli besonders gut

 

 

 

 

 

 

 

 

Leckerlis eignen sich weniger gut zur Korrektur eines bereits bestehenden Fehlverhaltens, denn hier stellt sich immer die Frage, wie ich als Hundehalter richtiges Verhalten, das ich dann belohnen darf, überhaupt „abrufbar“ machen kann. Auch Ablenken durch Leckerli in Krisensituationen hat keinen Lerneffekt und birgt die Gefahr der Fehlverknüpfung (z.B. ungewollte Belohnung für das Fehlverhalten aufgrund schlechten Timings)

Ob ein Hundehalter seinen Hund aus jeder Situation durch die Aussicht auf ein richtig eingesetztes Leckerli abrufen kann, das hängt von vielen Faktoren ab und ist sehr individuell zu sehen.

Ob das ohne Leckerlis besser funktioniert oder „nur“ mit verbalem Lob oder  Streicheln, auch das muss im Einzelfall betrachtet werden.

Einen Hund, der gerne hinter dem Kaninchen herlaufen möchte, über Futter davon abzuhalten oder abzurufen, wenn er schon“ unterwegs“ ist, das ist eine tolle Leistung, leider funktioniert sie nicht bei allen Mensch-Hund Teams.

Dass ein Hund aus Respekt vor seinem Halter bestimmte Verhaltensweisen unterlässt (nicht weil er bestraft wurde, sondern weil er respektiert, dass Herrchen oder Frauchen alleine in ihrem Bett liegen möchte) – ist wünschenswert, aber für manche Hundehalter schwer umzusetzen.

Hundeerziehung ist so vielfältig, wie es Hunde und Halter gibt. Authentizität ist dabei wichtig (der Hund sieht und riecht sehr genau, das sein Halter jetzt mal wirklich ärgerlich ist, auch wenn der Halter sich "vermeintlich" neutral verhält). Sie unterstützt ein belastbares Vetrauensverhältnis genauso, wie ein richtig eingesetztes Leckerli oder ein überschwänglich geäußertes "Feiiiin" - aber alles zur rechten Zeit.


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