Erziehung /
Richtig Erziehen /
Rückruftraining beim Hund - klappt es?

„Sitz, Platz, Aus – das kleine Einmaleins“

default
Artikel von
Expertenteam

Rückruftraining beim Hund - klappt es?

Wenn der Hund nur drei Hörzeichen wirklich sicher beherrscht, ist das Zusammenleben mit ihm eine wahre Freude.

Ihr Hund sollte erstens kommen, wenn Sie ihn rufen. Und zwar sofort und immer, in jeder Situation und auch bei Ablenkung! Zweitens sollte er an dem Platz bleiben, den Sie ihm zuweisen, bis Sie ihn wieder abholen. Egal, ob er dort steht, sitzt oder liegt. Und drittens sollte er eine gewisse Zeit allein bleiben können.

Warum ist Rückruftraining so wichtig?

Rückruftraining beim Hund gilt der Sicherheit für alle, denn die nächste vielbefahrene Straße kann schon um die Ecke sein.

Ein sicherer Rückruf ist das Wichtigste überhaupt. Daher gilt intensiv und exakt immer wieder üben. So viele interessante Ablenkungen gibt es für einen Welpen: andere Hunde, andere Tiere, Jogger, Radfahrer, Rehe oder Hasen beim Spaziergang, interessante Gerüche und, und, und ... und das macht es so schwierig mit dem Rückruftraining.  Viele Gefahren lauern auf den Nachwuchs, von der die größte ganz bestimmt der intensive Fahrzeugverkehr ist. Stellen Sie sich nur einmal vor, Ihr kleiner Freund möchte zu einem Artgenossen auf die andere Straßenseite laufen, ein Auto kommt, und er ignoriert Ihren Rückruf ...

Beginnen Sie das Rückruftraining mit Ihrem Hund möglichst frühzeitig, am besten bereits in den ersten Tagen Ihres Zusammenlebens. Steigern Sie den Schwierigkeitsgrad nur in ganz kleinen Etappen.  

Wie läuft das Rückruftraining beim Hund ab?

Üben Sie in fünf Schritten. Sollte es einmal nicht richtig klappen, kehren Sie wieder zum vorigen Schritt zurück und trainieren den niedrigeren Schwierigkeitsgrad, bis dieser sicher beherrscht wird. Üben Sie mehrere Male am Tag für wenige Minuten. Das ist besser als nur eine längere Trainingseinheit.

Eine Vorübung ist für den Aufbau einer engen Bindung sehr hilfreich: Anfangs, wenn der Welpe noch ganz klein ist, wird er ständig Ihre Aufmerksamkeit suchen. Achten Sie in den ersten Tagen sehr gut auf Ihren neuen Begleiter. Immer, wenn er Sie anschaut oder Ihnen folgt, geben Sie ihm ein kleines, leckeres Bröckchen Futter. Tun Sie dies, wo immer Sie mit ihm gehen und stehen. Nehmen Sie sehr leckere, aber  kleine Bröckchen, damit der Welpe nicht satt wird. So lernt der Hund schon früh, dass es sich für ihn lohnt, Sie anzuschauen, sich auf Sie zu konzentrieren und zu Ihnen zu kommen. Dies mag für Sie anfangs etwas anstrengend sein, lohnt sich aber unbedingt für jegliches weitere Training!

Schritt 1 des Rückruftrainings: Beginnen Sie mit dem Welpen zu Hause in einem Raum zu üben.

Wählen Sie ein kurzes, klares Hörzeichen, wie beispielsweise „Hier!“ oder „Komm!“, das Sie nur für den Rückruf verwenden. Ihr Hund versteht keine ganzen Sätze, sondern verknüpft lediglich sogenannte „Hörzeichen“, also kurze Laute, mit der Folgehandlung.

Halten Sie mehrere kleine,  besonders begehrte Leckerchen bereit. Achten Sie darauf, dass es anfangs keine Ablenkungen gibt. Spielen Sie mit dem Kleinen. Hocken Sie sich hin und breiten die Arme aus. Kommt der Welpe zu Ihnen gelaufen, rufen Sie sofort Ihr Hörzeichen  mit langgezogenem Vokal (beispielsweise „Hiiiiiiier“) und freundlicher, hoher Stimme. Ist er bei Ihnen, geben Sie ihm sofort ein Belohnungshäppchen, und dann loben Sie ihn überschwänglich und spielen mit ihm. Das wiederholen Sie zwei- bis dreimal hintereinander. Wichtig ist es in diesem Schritt, nur dann sofort das Hörzeichen zu rufen, wenn er sowieso zu Ihnen kommt! Diese Sequenz üben Sie mehrmals täglich.

Schritt 2 des Rückruftrainings: Bitte darauf achten, dass der Hund nicht gerade abgelenkt ist.        

Wenn der Welpe bei seinem Herankommen Ihr Hörzeichen immer beachtet und freudig zu Ihnen kommt, wechseln Sie die Reihenfolge: Rufen Sie ihn, auch wenn er gerade nicht zu Ihnen kommt. Achten Sie darauf, dass der Hund nicht abgelenkt ist. Vermeiden Sie das Hörzeichen in Situationen, in denen Sie im Voraus ahnen können, dass er es aus irgendeinem Grunde nicht befolgen wird. Läuft er auf Sie zu, geben Sie sofort eine leckere Belohnung. Dies muss innerhalb weniger Sekunden nach seinem Kommen erfolgen, da der Hund seine Handlung nur ganz kurze Zeit mit der darauffolgenden Belohnung verknüpft. Loben Sie ihn fröhlich, und spielen Sie mit ihm. Wiederholen Sie dies zwei- bis maximal dreimal hintereinander. Auch hier sind mehrere kurze Übungssequenzen pro Tag viel besser als eine lange Übungsstunde. Beachtet er Ihre Aufforderung nicht, gehen Sie zurück zu Schritt 1.

Schritt 3 des Rückruftrainings: Zum Üben noch nicht in die große weite Welt

Üben Sie immer noch ausschließlich in einem Raum. Steigern Sie jedoch den Grad der Ablenkung allmählich. Rufen Sie Ihren Welpen, wenn er gerade in einer Ecke schnüffelt, wenn er spielt, wenn er gerade von Ihnen wegläuft, jedoch nicht, wenn er frisst oder ruht. Rufen Sie das Hörzeichen, und hocken Sie sich hin, wenn er Sie anschaut. Kommt er, geben Sie sofort eine Belohnung. Wählen Sie sehr kleine, aber leckere Bröckchen. Loben Sie ihn ausgiebig, wenn er alles richtig macht. Wiederholen Sie dies maximal dreimal am Stück. Üben Sie mehrmals täglich wenige Minuten. Kommt der Kleine nicht, senken Sie den Schwierigkeitsgrad wieder und gehen zurück zu Schritt 2. Erst wenn der Hund wirklich jedes Mal kommt, wenn Sie ihm das Hörzeichen geben, gehen Sie über zu Schritt 4.

Schritt 4 des Rückruftrainings: Jetzt geht es raus.

Nun verlegen Sie das Training nach draußen. Lassen Sie den Welpen angeleint! Am besten eignet sich hierfür eine Flexi-Leine, denn so hat der Kleine einen größeren Aktionsradius, aber Sie haben ihn trotzdem unter Kontrolle. Beginnen Sie im Garten, auf dem Hof oder in einer ruhigen Ecke des Parks. Vermeiden Sie anfangs jegliche Ablenkung. Üben Sie zuerst wie in Schritt 1 beschrieben, also nur, wenn er ohnehin zu Ihnen kommen will. Auch hier sind einige wenige Wiederholungen mehrmals pro Tag viel hilfreicher als eine ganze Trainingsstunde. Wenn der Hund zu Ihnen kommt, belohnen Sie ihn mit einem tollen Leckerchen, und loben ihn ausgiebig. Gehen Sie allmählich vor wie in Schritt 2, dann wie in Schritt 3 beschrieben. Immer ist der Hund angeleint. Befolgt er ihr Hörzeichen nicht, gehen Sie im Schwierigkeitsgrad wieder zurück.

" Rückruftraining beim Hund Wow, hier klappt es mit dem Rückruf

 

 

 

 

 

 

Schritt 5des Rückruftrainings: Anfangs nur an der Leine um Misserfolge zu vermeiden.

 

Beachtet der Hund angeleint im Freien jedes Mal ihr Hörzeichen, beginnen Sie mit den Übungen ohne Leine. Achten Sie anfangs darauf, möglichst im Hof, im Garten oder allein im umzäunten Hundeauslauf zu trainieren, so dass der Kleine nicht weglaufen kann. Vermeiden Sie jegliche Ablenkung. Erst wenn er auch ohne Leine wirklich immer auf Hörzeichen kommt, steigern Sie allmählich die Ablenkungen. Gehen Sie spazieren oder in den Park, und üben dort. Üben Sie, wenn er irgendwo schnüffelt, wenn er interessante Dinge beobachtet. Sitzt der Rückruf hierbei sicher, suchen Sie Ablenkung durch Menschen oder andere Hunde. Dies zuerst in größerer Entfernung, dann auch in der Nähe. Alles muss vorsichtig und in ganz kleinen Schritten erfolgen. Beachtet der Hund ihre Aufforderung nicht, gehen Sie im Schwierigkeitsgrad wieder einen Schritt zurück, bis diese Übung sicher sitzt. Ganz wichtig und das A und O hierbei: Der Hund darf nie die Erfahrung machen, gerufen zu werden, ohne dass er kommen muss. Sonst lernt er sehr schnell, dass Ihre Hörzeichen keine Bedeutung für ihn haben.

Was tun, wenn der Hund mal nicht kommt?

Folgt der Welpe einmal nicht, ist weiteres Rufen zwecklos und falsch! Ignorieren Sie ihn vorerst.

Hinterherlaufen und Einfangversuche sind die häufigsten Gründe, dass ein Rückruf scheitert.

Holen Sie ihn in einem günstigen Moment von seiner Beschäftigung ab, oder gehen Sie in eine andere Richtung. Ist er wieder bei Ihnen, tadeln Sie ihn nicht. Ein Hund kann eine länger als eine Minute zurückliegende Handlung nicht mit Ihrem Tadel verknüpfen, sondern würde Ihr Schimpfen mit seinem Kommen in Verbindung bringen! Verringern Sie den Schwierigkeitsgrad und gehen im Training einen Schritt zurück!

Macht er alles richtig, belohnen Sie den Kleinen mit Bröckchen, loben ihn ausgiebig und spielen Sie mit ihm. Er muss die Erfahrung machen, dass es bei Ihnen viel interessanter und spannender ist als anderswo. Im weiteren Trainingsverlauf, wenn der Welpe gut hört, können Sie die Belohnung mit Leckerlies allmählich verringern. Spielen Sie zur Abwechslung mit seinem Lieblingsspielzeug mit ihm. Auch dadurch wird der Hund stark motiviert, zu Ihnen zu kommen!

 

 

 

 


3 Kommentare

Am 31.10.2014 kommentierte Ricarda:

Ich bin auch überhaupt kein Freund von Flexi-Leinen! Eine Schleppleine am Geschirr angebracht, ist viel schonender für den Hund

Am 21.10.2014 kommentierte Basti:

Hört sich gut an. Werde es so ausprobieren..

Am 20.10.2014 kommentierte Cornelia:

Warum Flexi-Leine und nicht lange Leine? Ich dachte Flexi-Leinen soll man nicht nehmen, weil dann das an der Leine gehen nicht klappt?


Die in diesem Formular angegebenen personenbezogenen Daten werden nur zur Beantwortung Ihrer Frage oder zur Bearbeitung Ihres Anliegens verarbeitet und nicht für Zwecke der Werbung genutzt.

Kommentieren

Tricktraining

Artikel der Woche:
Tricktraining

Zum Artikel
Fleischmehl, Tiermehl, Gammelfleisch - alles, nur kein Fleisch?

Letzte Woche:
Fleischmehl, Tiermehl, Gammelfleisch - alles, nur kein Fleisch?

Hier nachlesen