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Richtiges Spielen will gelernt sein

„Sitz, Platz, Aus – das kleine Einmaleins“

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Artikel von
Expertenteam

Richtiges Spielen will gelernt sein

Toll für alle, wenn sie die Regeln kennen

Spielen? Unbedingt, aber was, wann und wie?

So oft es geht – anfangs aber nur ein paar Minuten – denn Lernen strengt an. Gähnen und Hinsetzen können Zeichen dafür sein, dass der Kleine jetzt ein bisschen Ruhe braucht.

Spielen ist wichtig. Lesen Sie in diesem Artikel über Lieblingsspielzeug, Tauschhandel, welche Arten von Spiel es gibt und wie ich Spielen richtig beende.

Welpen sind sehr verspielt, neugierig und unternehmungslustig. Nutzen Sie während der Welpen-Zeit den Spieltrieb Ihres Hundes für gemeinsame Balgereien. Planen Sie zusätzlich zu den Spieleinheiten bewusst zwei Einheiten mit einem besonderen Spielzeug ein – ein paar Minuten pro Einheit reichen aus. Reservieren Sie für diese Spielzeit zwei bis drei besondere Gegenstände, die der Hund außerhalb der Zeit nicht bekommt. Diese Spielzeuge sollten so beschaffen sein, dass der Hund hineinbeißen kann und Sie gleichzeitig am anderen Ende ziehen können, zum Beispiel Bälle mit einer Schleuderleine oder Beißwürste.

Welches Spielzeug ist für Welpen geeignet?

Die drei R (robust, rot, richtige Größe) dienen als Orientierung. Quietschendes Spielzeug ist umstritten. Tennisbälle bitte nicht, weil sie auf Dauer den Zahnschmelz abschmirgeln.

Hundegerechtes Spielzeug ist auf den Körperbau, den Bewegungsdrang und die Sinne eines Welpen abgestimmt. Robustes Spielzeug aus ungefährlichen (z.B. phthalat-frei, also ohne Weichmacher) Materialien und  in den Farben rot oder gelb – das hat sich bewährt. Wurfscheiben mit einem Rand, der das Aufnahmen erleichtert, Gummiknochen, Rahmen- oder Saturnbälle, die unvorhergesehen und lustig springen – im Fachgeschäft ist die Auswahl groß.

Da Hunde ihren Fang nutzen, wie wir Menschen unsere Hände, ist die Größe des Spielzeuges an die Größe des Fangs anzupassen, damit sie nicht verschluckt werden können und damit der Welpe nicht aus Versehen die Hand erwischt.

Quietschende Spielzeuge stehen in der Diskussion, die Entwicklung einer Beißhemmung bei Welpen zu „verwässern“. Die Argumentation der Quietsche- Gegner: Welpen quietschen auf, wenn Wurfgeschwister ihnen wehtun. Das ist dann für den anderen das Signal, das nächste Mal nicht so fest zu zwicken. Dauerhaftes Quietschen kann einen unerwünschten Gewöhnungseffekt und eine Desensibilisierung hervorrufen.  Befürworter argumentieren, dass auch der größte Hunde-Fan von Quietschspielzeug durchaus unterscheiden kann zwischen dem begeisterten Quietschen von Kindern (oder den Angst-  und Schmerzäußerungen anderer Hunde) und dem künstlichen Quietschen aus dem Spielzeug.

 Meist sind die „Quietschies“ auch nicht sehr langlebig. Eine Ruhe, die so manchem Hund und seinem Halter ausnehmend gut gefällt – so dass beim nächsten Spielzeug ein Quietschen gleich „operativ unterbunden“ wird.

" Hund nimmt roten Ring aus der Kiste

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie viel verschiedene Spielzeuge braucht der Welpe?

Bitte immer nur eines zurzeit, aber mit dem Welpen spielen, kein Selbstbeschäftigungsprogramm erwarten.

Spielen Sie zunächst nur mit einem der Gegenstände. Setzen Sie sich dazu auf den Boden und demonstrieren Ihrem Welpen, dass das Spielzeug eine fliehende Beute ist. Lassen Sie ihn dabei über Ihre Beine klettern, hinter Ihrem Rücken lauern und unter den Beinen durchkrabbeln. Er soll sich richtig Mühe geben, die Beute zu erwischen. Damit ihm das auf Dauer Spaß macht, ist es wichtig, dass Sie die Spielbeute so von ihm wegbewegen, dass er eine Chance hat, sie durch Tüchtigkeit zu erwischen. Hat er das Spielzeug im Maul, nehmen Sie es ihm auf keinen Fall wieder weg, sondern loben ihn vielmehr für seine Tüchtigkeit.

Das ganz spezielle Spielzeug steht nicht zur freien Verfügung: „Verwehren weckt Begehren“.

Fördern Zerrspiele wirklich die Aggressivität beim Hund?

Nein, richtig gespielt dient es eher dem Aggressionsabbau und es darf auch jeder mal gewinnen.

Möchte der Welpe „Zerren“ spielen, läuft er gewöhnlich mit „wichtiger Miene“ mit einer „Beute“ vor Ihnen auf und ab und fordert Sie auf, hinter ihm herzujagen. Gehen Sie dann darauf ein und spielen ein schönes Beutestreiten mit ihm. Vorbild für das Zerrspiel mit dem Hund ist das Spiel der Hunde untereinander. Beobachten Sie dafür Hunde beim Beutestreiten: Da wird geschüttelt (aber bitte nur horizontal und nicht auf und ab), da versucht einer dem anderen durch ruckartiges Ziehen die Beute aus dem Fang zu reißen oder da verstärkt einer seinen Festhaltegriff, indem er einen vorteilhaften Punkt festhält oder versucht, die Bissfläche des Gegners durch Nachfassen. Spielen Sie genauso variabel mit Ihrem Welpen. (Achtung: Kinder können das noch nicht richtig einschätzen – dann lieber Wurf- als Zerrspiele anbieten).

Dabei ist es wichtig, dass Sie sich ihrem Welpen nicht als übermächtiger Gegner präsentieren. Wenn Ihr Hund ruckt und schüttelt, geben Sie immer etwas nach. Halten Sie die Ersatzbeute anfangs nur mit zwei Fingern fest, so dass Ihr Welpe eine reelle Chance hat, die Beute zu entreißen. Lassen Sie ihn gewinnen, wenn er sich sehr engagiert gezeigt hat.

Soll ich hinter dem Welpen herlaufen?

Bitte nicht. Rennt der Welpe mit seiner Beute weg, bleiben Sie einfach ruhig sitzen. Nur zu zweit spielen macht Spaß, und das weiß schon ein Welpe.

Dann kommen die meisten Welpen  schon nach kurzer Zeit wieder angetrabt, weil es spannender ist, gemeinsam zu spielen als alleine. Bringt er seine Spielbeute mit, loben Sie ihn in höchsten Tönen. Vielleicht möchte er jetzt zerren? Vielleicht möchte er sich aber auch einfach bei Ihnen ausruhen.

Läuft Ihr Welpe aber mit der Beute davon, um sie in einem abgelegenen Winkel zu zerkleinern, ziehen Sie eine zweite Spielbeute aus der Tasche und beginnen, ohne den Hund zu beachten, damit zu spielen. Bald wird er kommen, um die zweite Beute zu verfolgen. Nehmen Sie nun bei Gelegenheit die erste Beute auf.

Wie beende ich das Spielen mit meinem Welpen?

Tauschen und Desinteresse zeigen- in der richtigen Reihenfolge. Und nicht Hinterherlaufen.

Irgendwann ist aber das Spiel zu Ende und dann ist es besonders wichtig, wie Sie dem Hund die letzte Beute abnehmen. Tauschen Sie durch eine Futterbelohnung und beenden das Spiel mit einem freundlichen Schlusswort: „Genug.“ Wenn Ihr Kleiner seine Spielbeute nicht bringen sollte, laufen Sie ihm nicht hinterher und strecken Sie  auch nicht die Hand nach dem Spielzeug aus. Gehen Sie desinteressiert von ihm weg und beachten ihn nicht. Schnell wird Ihnen ihr Welpe folgen. Spielen Sie allein mit der Tauschbeute, so dass er neugierig wird und sein Spielzeug freiwillig fallen lässt. Der Hund lernt daraus, dass das Spiel nur weitergeht, wenn er das erste Spielzeug zu Ihnen bringt.

Welche Arten von Spielen eignen sich für Welpen?

Interaktion und Futter – die zwei wichtigsten Bestandteile eines tollen Spielverlaufs.

Interaktive Beutespiele dauern nur ein paar Minuten und leben von einem Wechsel der Kontrolle über die Beute. Zu Beginn wird die Spielbeute dicht über dem Boden bewegt. Dann darf der Welpe hineinbeißen und die Beute festhalten. Jetzt ist etwas „Rangeln“ angesagt, aber „verlieren“ Sie bitte auch immer mal wieder. Ihr Welpe wird die Beute jetzt in Sicherheit bringen, das ist genau die richtige Zeit für den Einsatz Ihrer „Tauschbeute“. Zeigen, Bewegen, Animieren – wenn Sie das geschickt machen, verliert Ihr Welpe das Interesse an der ersten Beute. Eine Übung für das weitere Zusammenleben, denn im Tausch gegen etwas Interessantes geben Hunde auch unerwünschte (für ihren Halter!)  Sachen stressfrei ab. Sie vermeiden damit einen sowieso erfolglosen Sprint zu Ihrem Hund, um ihm Dinge, wie z.B. Knochen abzunehmen. Ihr Hund ist immer schneller. Beim Laufen oder beim Runterschlucken.


2 Kommentare

Am 27.01.2015 kommentierte Göppel Brigitte:

„Ich spiele ja mit Hündin Fritzi, sie ist lebhaft. Lustig! Wenn ich zu ihn laufe, finde ich ja schön. Sie ist lieb.
Frisst gut.
Lb. Brigitte mit Fritzi.“

Am 29.10.2014 kommentierte Johanna:

„...klasse Hinweise, vielen Dank! Werde ich auch bei meinem "alten" Hund berücksichtigen. “


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