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Er weiß, dass er böse war.

„Sitz, Platz, Aus – das kleine Einmaleins“

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Artikel von
Expertenteam

Er weiß, dass er böse war.

Haben Hunde überhaupt ein Gewissen?

Wie ist der Begriff „Gewissen“ definiert?

In der Psychologie versteht man darunter, einen  „Mechanismus, der die eigenen Handlungen und Urteile anhand geltender Moralvorstellungen bewertet.“

Eine moralische Bewertung des eigenen Verhaltens? Dass ihren Hunden zu unterstellen, so weit gehen die meisten Hundehalter dann doch nicht. Trotzdem behaupteten drei Viertel der befragten Halter einer Studie, dass ihr Hund ein schlechtes Gewissen habe.

(Morris, P.H. et. al., 2008: Secondary emotions in non-primate species? Behavioural reports and subjective claims by animal owners. Cogn. Emotion 22, 3 – 20)

Sie machen das am Verhalten ihres Hundes fest, nachdem die Missetat entdeckt worden ist. Dem Aussehen eines vermeintlich schlechten Gewissen, der Demutshaltung (niedrige Körperhaltung, über den Fang lecken, eingezogene Rute, angelegte Ohren und Vermeidung von Blickkontakt). Diese Haltung ist ein erlerntes Verhalten, um Herrchen oder Frauchen zu beschwichtigen, wenn deren Körperhaltung zeigt, das Ärger im Anmarsch ist. Hunde lernen von klein auf, Konflikte oder Ärger im Rudel zu vermeiden. Dazu zeigen sie diese angeborenen Beschwichtigungssignale, die wir Menschen oft als schlechtes Gewissen interpretieren.

Signale dieser Art sehen wir übrigens bei Katzen nicht. Nicht wirklich verwunderlich, weil Katzen nicht in einer sozialen Gemeinschaft leben. Haben Katzen deshalb kein Gewissen? Diese Frage stellen sich Katzenbesitzer eher selten.

Bei Pferden vermuten immerhin noch 36% der Halter, dass ihr Pferd ein schlechtes Gewissen hat.

Eine kleine Übung für „Zweifler“:

Wenn der Hund das zweite Mal verbotenerweise (also beim ersten Mal wurde gschimpft) den Mülleimer ausgeleert hat, dann freuen Sie sich dieses Mal ganz heftig, wenn Sie nach Hause kommen und das Chaos sehen - und loben Sie ihn überschwänglich. Vermutlich wird er sofort von einem potenziellen Demutsverhalten in Schwanzwedeln und Herumspringen umschalten…

" Auf den Rücken drehen kann eine Demutsgeste sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

Gefühle sind für Hunde im „Hier und Jetzt“ wichtig, sie im Nachhinein zu bewerten oder zu analysieren, das ist eine menschliche Eigenschaft. „Primäre Emotionen“, die zum Überleben direkt notwendig sind (und dazu gehören Angst und Furcht) werden Hunden zugetraut. „Sekundäre Emotionen“, wie Schuld oder Scham bei Hunden nachzuweisen, ist noch nicht gelungen, aber in der Methodik auch schwierig durchzuführen.  

Was heißt das für uns als verantwortungsbewusste Hundehalter ?

  • Wenn der Hund in der Abwesenheit seines Halters etwas Unerwünschtes (Mülleimer leerräumen) getan hat, hilft es nicht, dieses Verhalten zukünftig zu vermeiden, wenn er beim Nachhause kommen schimpft.
  • Er muss dem Hund die Gelegenheit nehmen, dieses Verhalten wieder zeigen zu können, z.B. indem er den Mülleimer oder die Küchentür verschließt.
  • Auch das späte Zeigen der zerstörten Gegenstände während geschimpft wird, verknüpft die Handlung nicht mit der negativen Konsequenz.

 

Schimpfen oder andere Strafen verschlimmern manche unerwünschten Verhaltensweisen, die ein Hund zeigt, weil er sie zur Ableitung von Stress oder Ängsten nutzt.

Daraus kann schnell ein unerwünschter Teufelskreis entstehen.


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