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Wieviel Wolf ist im Hund?

„Ein Hund lebt nicht von Fleisch allein“

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Artikel von
Expertenteam

Wieviel Wolf ist im Hund?

Vieles blieb gleich, manches hat sich geändert

Von Hunden und Wölfen

Ja, der Hund stammt vom Wolf ab, das ist nach wie vor unbestritten. Allerdings begann die Domestizierung schon vor 19 000 bis 32 000 Jahren. (Zwischen 15.000 und 100.00 Jahre sind in der Literatur als der Zeitraum der Domestikation von Wölfen zu finden) Europäische Wölfe sind die Vorfahren unserer Hunde, dass haben Vergleiche der genetischen Information moderner Hunde und Wölfe mit der DNA von prähistorischen Tieren ergeben.

Die Siedlungen der frühen Menschen waren wegen der dort zu findenden Nahrungsreste für Wölfe eine interessante Futterquelle. Wer weiß, vielleicht hat ja nicht der Mensch den Nahrungskonkurrenten Wolf domestiziert, sondern es geschah genau umgekehrt: der Wolf folgte aktiv  den Jägern, tat sich an den Resten der erlegten Tiere gütlich und domestizierte sich quasi selber ...?  Jedenfalls  wurde er noch vor Schafen, Rindern und Pferden zum ersten Haustier.

Wenn sich die Entwicklung der Hunde schon vor so langer Zeit vom Wolf getrennt hat, dann sind Veränderungen nicht auszuschließen. Der Körperbau eines Wolfes und vieler der ca. 430 Hunderasse und ihrer Mischlinge weicht in manchen Fällen deutlich voneinander ab.

Was hat sich eindeutig verändert: das Aussehen.

Wölfe sind meist quadratisch gebaut (Länge und Schulterhöhe annähernd gleich) Hund eher langrechteckig. Wölfe haben Stehohren, mittellanges Fell, helle- eher gelblich getönte Augen, einen langen Fang, sie bellen nicht und leben in hochsozialen Familien, deren Mitglieder alle miteinander verwandt sind.

" Im Aussehen dem Wolf noch sehr ähnlich, der DSH

 

 

 

 

 

 

 

 

Hunde leben in gemischten Rudeln mit Menschen oder sogar eng verbunden und friedlich mit anderen Haustieren, die in freier Wildbahn sogar ihre Beutetiere wären (z.B. Kaninchen oder Meerschweinchen. Sie haben kurzes, gelocktes oder sogar „kein“ Fell. Ihr Fang ist häufig sehr lang oder sehr kurz. Sie haben  Bellen als neues Kommunikationsmittel zu ihren Menschen entwickelt.

Was ist (beinahe) gleich geblieben: der Nährstoffbedarf und das Fressverhalten.

Hunde schlingen genau wie Wölfe möglich große Stückchen ihrer Beute runter, es sind Beutetierfresser. Hasen, Wildkaninchen und Wildenten werden in der freien Wildbahn beinahe komplett gefressen, also inklusive Haut, Fell oder Gefieder, Gehirn, Krallen, Rückenmark, Reproduktionsorgane (Hoden und Gebärmutter) und Blut.  

Hunde jagen wie Wölfe im Verband auch größere Beutetiere. Essentielle Nährstoffe für den Wolf, wie bestimmte Proteine und Fettsäuren sind auch in der Ernährung eines Hundes weiterhin lebensnotwendig. So liefert Blut das wichtige Natrium. Knochen bieten Kalzium, Phosphor, Magnesium, Zink und Kupfer und über Magen und Darm von Beutetieren gelangen Rohfasern und  B-Vitamine in den Hund. Einzig die Fähigkeit Kohlenhydrate zu verarbeiten, ist beim Hund größer geworden. Das konnte anhand genetischer Unterschiede im Erbgut von Hunden und Wölfen nachgewiesen werden.

Deshalb macht es eher Sinn, auf den modernen Hund und seine Bedürfnisse zu schauen und diese zu bedienen, statt "Zurück zur Natur"  kritiklos zu propagieren.

Welche Unterschiede sind in der Fütterung noch zu finden:

  • Wölfe können bis zu 20 % ihres Körpergewichtes an Nahrung auf einmal aufnehmen, also durchaus 8 kg oder mehr. Ein Hund bekommt viel regelmäßiger Futter und schafft bei gleicher Größe „nur“ etwa 1 kg oder 2 bis 3 % ihres Körpergewichtes. Wir empfehlen daher, einen Hund mindestens zwei Mal pro Tag zu füttern. Häufiger kleine Mahlzeiten zu fressen, bevorzugen auch unsere Hunde, wenn sich kein anderer Hund (Rivale um Ressourcen) in der Nähe aufhält.
  • Laktobakterien sind bei Wölfen nicht nachweisbar, jedoch beim Hund. Diese Mikrobenart besiedelt den Verdauungstrakt des Menschen und dient der Energiegewinnung aus pflanzlichen Nährstoffen. Ihr Vorhandensein beim Hund unterstreicht möglicherweise die enge Bindung zum Menschen.
  • Wölfe, deren Zähne durch zu harte Knochen frakturieren (zersplittern) werden zunehmend Probleme mit Jagen und Fressen haben, was ihre Existenz gefährdet.
  • Hunde und Wölfe haben Speicher für Nährstoffe, die nicht jeden Tage in der Menge gefressen werden können, die zur Deckung des täglichen Bedarfes  benötigt werden. Im Unterschied zum Hund kann ein Wolf in den nächsten Tagen allerdings ein passendes Beutetier erjagen, unser Hund muss sich mit den Nährstoffen begnügen, die in seinem Napf sind.

Das ernährungsphysiologische Äquivalent einer 400 g Dose Hundefutter für einen 25 kg schweren Hund ist ein GANZES Kaninchen von 400 g. Damit hätte er seinen Nährstoffbedarf gedeckt.

Das gesamte Beutetier bieten allerdings die wenigsten Tierhalter an, es wird eher Muskelfleisch angeboten, mit dem Argument der Hund wäre ein Fleischfresser. Das ist aber nicht korrekt. Muskelfleisch wird oft in Barf-Rationen gefunden. Ein Beutetier wie z.B. Kaninchen oder Hasen, bestehen aber nur zu 20 % aus Muskelfleisch.

Wie sich Nährstoffe in Muskelfleisch im Vergleich zu einem Beutetier (Kaninchen) zusammensetzen, zeigt diese Tabelle: 

uS = ursprüngliche Substanz oder Frischmasse Quelle: Wieviel Wolf steckt noch im Hund? Vortrag von Prof. Dr. Petra Wolf, Wolfscenter Dörverden am 18.04.2015.

 

 

Beutetier

Muskelfleisch

 

 

Kaninchen

Rind

Huhn

Pferd

Tendenz

Feuchte

g/kg uS

825

730

740

740

 

Rohprotein

 

589

780

884

730

↑↑

Rohfett

g/kg TS

163

128

34,6

143

(↓)

Calcium

 

31,3

0,28

0,54

0,58

↓↓↓

Phosphor

 

23,2

4,44

8,15

5,55

↓↓

Natrium

 

9,16

2,19

2,54

1,53

Auf Dauer ist die Ration beim Selberkochen oder Barfen oft nicht ausgewogen, weil keineswegs das gesamte Beutetier verfüttert wird. Deshalb empfehlen wir, sich die Rationen von Fachleuten berechnen zu lassen, um eine ausgewogene Nährstoffversorgung sicherzustellen.

 

 


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